13. Juli 2026

Sommertour des AWO-Bundespräsidiums in Bielefeld: Soziale Ungleichheit im Fokus

Bielefeld, 6. Juli 2026 – Die Bekämpfung sozialer Ungleichheit stand im Mittelpunkt des Besuchs von Michael Groß, Vorsitzender des AWO-Bundespräsidiums, beim AWO Bezirksverband OWL im Rahmen der Sommertour des Bundespräsidiums. Gemeinsam mit Dr. Wiebke Esdar, MdB, und Markus Kollmeier, Vorsitzender der SPD Bielefeld, diskutierte er im AWO Seniorenzentrum Baumheide die Auswirkungen aktueller sozialpolitischer Entwicklungen und die Herausforderungen sozialer Arbeit vor Ort.

Angela Lück, Vorsitzende des Präsidiums und Aufsichtsratsvorsitzende der AWO OWL, begrüßte die Gäste und betonte die Bedeutung eines engen Austauschs zwischen Wohlfahrtsverbänden, Politik und den Menschen, die täglich soziale Arbeit leisten.

Bereits zu Beginn der Veranstaltung machte Dr. Wiebke Esdar deutlich, dass die derzeit anstehenden Sozialreformen grundlegende Fragen aufwerfen: „Welches Menschenbild wollen wir und will die Bundesregierung weiterentwickeln? Geht es dabei ausschließlich um volkswirtschaftliche Stärkung oder auch um gesellschaftlichen Zusammenhalt, soziale Sicherheit und Teilhabe?“

Vermögen ungleich verteilt

Michael Groß verwies auf die zunehmende soziale Ungleichheit in Deutschland. Zwar werde der Wohlstand des Landes häufig anhand von Durchschnittswerten beschrieben, tatsächlich sei Vermögen jedoch sehr ungleich verteilt. Eine kleine Gruppe sehr wohlhabender Haushalte stehe einer Mehrheit von Menschen gegenüber, die deutlich weniger besitze. Mit Blick auf die aktuellen Reformdebatten warnte Groß davor, soziale Infrastruktur durch einseitige Sparmaßnahmen zu gefährden. Sozialstaatliche Angebote seien unverzichtbar für gesellschaftlichen Zusammenhalt, Chancengerechtigkeit und soziale Teilhabe.

Refinanzierung nicht gesichert

Die Vorstände der AWO OWL, Thomas Euler und Thomas Kronenfeld, machten deutlich, dass soziale Angebote dauerhaft und verlässlich refinanziert werden müssen. Dies sei keineswegs selbstverständlich. So ist die psychosoziale Krebsberatung der AWO OWL auf Spenden angewiesen, um ihr Angebot aufrechterhalten zu können. Auch die aktuelle Pflegereform sieht im Gesetzesentwurf vor, dass die tarifbedingten Lohnsteigerungen von der Pflegekassen nicht mehr voll, sondern nur noch zu 50 Prozent übernommen werden, was letztendlich zu einer Mehrbelastung für Pflegebedürftige führt.

Soziale Träger investieren viel

Für das Geschäftsfeld Pflege und Quartier berichtete die Geschäftsführung Evelyn Klasen von den Erfahrungen mit internationalen Auszubildenden. Die AWO OWL investiere erhebliche Mittel in Ausbildung, Begleitung und insbesondere in die sprachliche Förderung. Gleichzeitig seien die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Betroffenen mit großen Unsicherheiten verbunden. So müssen beispielsweise Auszubildende, die die Prüfung im zweiten Anlauf nichtbestehen, sofort ausreisen, obwohl der Träger zuvor viel Zeit, Geld und Engagement in die Integration investiert hat.

Auch im Austausch mit dem Geschäftsfeld Beratung, Betreuung und Förderung wurde klar, wie sehr gesellschaftliche Unsicherheiten die Menschen beschäftigen. Das Team um Geschäftsführerin Sabine Schubert, bestehend aus Susanne Große-Wortmann, Monika Thiel und Daniel Kröger, schilderte, dass sich erfolgreich integrierte Menschen zunehmend Sorgen um ihre Zukunft machen und teilweise befürchten, trotz eines festen Arbeitsverhältnisses in Deutschland von aufenthaltsrechtlichen Entscheidungen betroffen zu sein.

Zum Abschluss waren sich die Teilnehmenden einig, dass soziale Gerechtigkeit nicht allein durch politische Zielsetzungen erreicht werden kann. Erforderlich seien ebenso starke soziale Strukturen, verlässliche Finanzierung und ein kontinuierlicher Dialog zwischen Politik, Wohlfahrtspflege und den Menschen, die Unterstützung benötigen oder tagtäglich leisten.