1. April 2026
Rassismuskritische Perspektiven in der Sozialen Arbeit – Vielfalt stärken, Haltung zeigen: Fachtag der AWO OWL
„Demokratie leben und stärken“: Dieser Anspruch ist heute wichtiger denn je. In einer Zeit, in der gesellschaftliche Polarisierung zunimmt, rechtspopulistische Narrative an Einfluss gewinnen und demokratische Grundwerte offen infrage gestellt werden, braucht es Orte, an denen Haltung sichtbar wird. Der Fachtag der AWO OWL unter dem Motto „Vielfalt stärken, Haltung zeigen: Rassismuskritische Perspektiven in der Sozialen Arbeit“ war genau ein solcher Ort.
Die Arbeiterwohlfahrt steht als Organisation ein für eine solidarische, vielfältige und gerechte Gesellschaft, bundesweit und direkt vor Ort. Sie macht sich stark für Menschenwürde, Gleichberechtigung und soziale Teilhabe – und muss klar benennen, wenn diese Werte bedroht sind. Rassismus, Ausgrenzung und demokratiefeindliche Tendenzen sind keine abstrakten Phänomene, sondern prägen zunehmend den Alltag vieler Menschen und wirken tief in Institutionen hinein.
Gerade die Soziale Arbeit steht hier an einer entscheidenden Schnittstelle: Sie begleitet Menschen, stärkt Teilhabe und gestaltet gesellschaftliche Räume mit. Doch wie gelingt es, diese Arbeit konsequent rassismuskritisch auszurichten? Welche Handlungsmöglichkeiten haben Fachkräfte im Alltag und welche strukturellen Veränderungen braucht es, um Diskriminierung nachhaltig entgegenzuwirken?
Mit diesen Fragen im Fokus startete im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus in der vergangenen Woche ein Fachtag zum Thema. Initiiert wurde er von einer internen Arbeitsgruppe der AWO OWL in Zusammenarbeit mit dem Bezirksjugendwerk OWL. Zahlreiche Fachkräfte, Ehrenamtliche und Interessierte aus der Region kamen im Bielefelder Elfriede-Eilers-Zentrum zusammen, um rassismuskritische Ansätze auf beruflicher und struktureller Ebene zu diskutieren und aktiv Verantwortung zu übernehmen.
Die Geschäftsführerin des Geschäftsfeldes Beratung, Betreuung & Förderung der AWO OWL Sabine Schubert begrüßte alle Teilnehmenden zunächst herzlich. Im Anschluss bot ein Fachvortrag mit Sophie Buhan-Brzezinski von der Beratungsstelle für Antidiskriminierungsarbeit eine klare Einordnung zentraler Begriffe. Hier wurde deutlich, wie sehr rassistische Denkmuster gesellschaftliche Prozesse prägen. Auch die persönliche Verantwortlichkeit der*des Einzelnen wurde deutlich benannt und als Ansatzpunkt für das eigene Aktivwerden hervorgehoben.
Im Anschluss verteilten sich die Teilnehmenden in zwei Phasen auf mehrere Workshops, die unterschiedliche Perspektiven und Handlungsfelder beleuchteten: Fachkräfte erhielten im Workshop zu rassismussensibler Kinderliteratur praktische Impulse für ihre pädagogische Arbeit, die Mechanismen von Radikalisierung und Prävention über Social Media wurden anschaulich beleuchtet und das Jugendwerk berichtete über die eigenen Ansätze, Teilhabe für junge Menschen zu ermöglichen und Machtverhältnisse zu hinterfragen. In der zweiten Workshop-Phase ging es um das Erlernen diskriminierungskritischer Sprache anhand praktischer Übungen und Reflexion sowie um die Frage, welche konkreten Folgen es für unser gesellschaftliches Zusammenleben hätte, würde eine rechtspopulistische Partei Regierungsverantwortung übernehmen.
Zwischen den Programmpunkten nutzten viele Teilnehmende die Gelegenheit, sich zu vernetzen, Erfahrungen zu teilen und gemeinsame Herausforderungen zu diskutieren. Dabei wurde klar, dass die Impulse des Fachtages erste Ansatzpunkte, aber keine vollumfänglichen Lösungen für bestehende strukturelle Herausforderungen bieten können. Gleichzeitig zeigte sich eindrucksvoll, wie groß der Bedarf an rassismuskritischer Auseinandersetzung in der Sozialen Arbeit ist – und wie viel Energie, Expertise und Engagement in der Region OWL bereits vorhanden sind. Die AWO in OWL wird sich auch weiterhin klar gegen Rassismus positionieren und für eine demokratische, solidarische Gesellschaft stark machen.



