2. April 2026

Internationale Verstärkung für die Pflege: Auszubildende aus Kamerun starten im AWO Seniorenzentrum Kirchlengern

Neue Wege für zwei junge Menschen aus Kamerun: Seit Sommer 2025 absolvieren Yenou Nsangou Aminatou Abidine (27) und Yann Junior Megaptche Tala (25) ihre Ausbildung zur Pflegefachkraft im AWO Seniorenzentrum Kirchlengern. Drei Jahre lang werden sie im Seniorenzentrum Kirchlengern sowie in der Bielefelder Akademie für Pflegeberufe (BiAP) alles lernen, was zu diesem Beruf dazugehört. „Wir sind immer auf der Suche nach motivierten Menschen, die in der Pflege etwas bewegen möchten“, berichtet Jennifer Winter, Einrichtungsleitung im Seniorenzentrum Kirchlengern. „Deswegen freuen wir uns, dass wir die beiden für die Pflege und die AWO OWL als Arbeitgeberin gewinnen konnten.“

Mit ihrer Entscheidung, nach Deutschland zu kommen, verbinden die Auszubildenden klare Ziele: Sie möchten in einem modernen Gesundheitssystem lernen, fachlich wachsen und Menschen professionell begleiten, unterstützen und pflegen. Besonders die hohe medizinische und technische Qualität in Deutschland habe sie motiviert, ihre Ausbildung hier zu beginnen.

Natürlich spielt das Erlernen der deutschen Sprachen dabei eine zentrale Rolle. Beide Auszubildende bringen Deutschkenntnisse auf dem Niveau B2 mit. Dennoch erleben sie – wie viele internationale Nachwuchskräfte – dass sich die Kommunikation im Pflegealltag deutlich von der Sprache im klassischen Sprachkurs unterscheidet.

Sprache und Integration

Die BiAP hat ihr Unterstützungsangebot deshalb in den vergangenen Jahren gezielt ausgebaut: Bereits seit September 2024 gibt es für Auszubildende im ersten Ausbildungsjahr eine wöchentliche Anschubförderung „Deutsch im Unterricht“. In diesen Einheiten werden Arbeitsaufträge und Fachtexte sprachlich aufbereitet, damit Inhalte besser verstanden und aktiv mitgestaltet werden können. Seit September 2025 ergänzt zudem ein neues, offenes Angebot das Konzept: der kursübergreifende Konversationskurs „Deutsch in der Pflege“. Er richtet sich an Auszubildende aller drei Ausbildungsjahre und stärkt gezielt die sprachliche Sicherheit im beruflichen Kontext. „In diesem Kurs üben wir gemeinsam die Gesprächsführung mit Kolleginnen und Kollegen, Patientinnen und Patienten oder deren Angehörigen“, erläutert Matthias Voß, Dozent für Sprach- und Erziehungswissenschaften an der BiAP, der beide Angebote leitet.

Durch diese besondere Förderung haben junge Menschen aus anderen Ländern, die sich für eine Pflegeausbildung in Deutschland entscheiden, einen sprachlichen Vorsprung gegenüber examinierten Fachkräften aus Drittstaaten. Das sei auch der Grund, warum man sich bei der AWO OWL für dieses Vorgehen entschieden habe, so BiAP-Geschäftsführer Patrick Fuchs: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es Menschen aus Drittstaaten, die hier in die Ausbildung starten, einfacher haben sich zu integrieren, weil sie über Kontakte mit Gleichaltrigen in der Ausbildung leichter im Land, in unserer Kultur und auch in den Seniorenzentren ankommen.“

Strategische Internationalisierung

Hintergrund für die Arbeit mit Auszubildenden aus Drittstaaten ist der seit Jahren bestehende Fachkräftemangel in der Pflege. Um den hohen Bedarf zu decken, gewinnen Einrichtungen zunehmend Auszubildende aus dem Ausland – unter anderem aus Indien, Kamerun, Togo, Uganda, Simbabwe, der Ukraine oder Syrien. Diese Entwicklung sei angesichts der Situation notwendig und begrüßenswert, bringe jedoch neue Aufgaben für die Ausbildung mit sich, sagt Schulleiterin Marion Jander. Ziel sei es, internationale Auszubildende nicht nur fachlich, sondern auch sprachlich und kulturell bestmöglich zu begleiten.

Für ihre Zukunft wünschen sich Yenou Nsangou Aminatou Abidine und Yann Junior Megaptche Tala vor allem einen erfolgreichen Abschluss, eine gute Integration und die Möglichkeit, sich später weiterbilden zu können. Die Pflege biete immerhin vielfältige Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten.

Mit dem Start der beiden Auszubildenden setzt das AWO Seniorenzentrum Kirchlengern ein Zeichen für Offenheit, Vielfalt und nachhaltige Fachkräftesicherung. Das Projekt soll in den kommenden Jahren weitergeführt und auf weitere Einrichtungen der AWO OWL ausgeweitet werden – verbunden mit dem Anspruch, Ausbildung, Integration und Förderung junger Menschen eng miteinander zu verzahnen und so langfristig qualifizierte Pflegefachkräfte für die Region zu gewinnen.