6. Oktober 2026

Gemeinsam für verlässliche Orientierung und Rechtsstaatlichkeit: Fachtag der Regionalen Beratung für Geflüchtete in Hagen

Das Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration (MKJFGFI) des Landes NRW und die landesweit geförderten Fachstellen für Schulung und Qualifizierung im Landesprogramm Regionale Beratung beleuchteten auf dem Fachtag „Beratung unter Druck – Zur Relevanz des Landesförderprogramms Regionale Beratung angesichts aktueller politischer und rechtlicher Entwicklungen“ Chancen, rechtliche Neuerungen sowie die Zukunft der Beratungsinfrastruktur für Geflüchtete in Nordrhein-Westfalen.

Am 30. September 2026 kamen an der Fernuniversität Hagen etwa 100 Fachkräfte, Rechts- und Kommunalexpert*innen sowie Vertreter*innen der Freien Wohlfahrtspflege und der Kooperationspartner der Flüchtlingsberatung in NRW zum Fachtag „Beratung unter Druck – Zur Relevanz des Landesförderprogramms Regionale Beratung angesichts aktueller politischer und rechtlicher Entwicklungen“ zusammen.

Organisiert wurde die Tagung von den Fachstellen im Landesprogramm „Regionale Beratung von Geflüchteten“ aus den fünf NRW-Regierungsbezirken Arnsberg, Detmold, Düsseldorf, Köln und Münster. Im Mittelpunkt standen die Beratung, die Auswirkungen rechtlicher Reformen sowie die Gestaltung nachhaltiger Integrationswege.

Die Perspektive des Ministeriums: Verlässlicher Rahmen und Struktur im System

Staatssekretär Lorenz Bahr (MKJFGFI) betonte in seinem Grußwort die hohe Bedeutung des Landesförderprogramms für die nordrhein-westfälische Integrationsarchitektur. Sie stellt für geflüchtete Menschen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus und mit Wohnsitz in einer nordrhein-westfälischen Kommune ein wichtiges Unterstützungsangebot dar und berät zu Fragestellungen im asyl- und aufenthaltsrechtlichen Kontext. Sie bietet Ratsuchenden rechtskonforme Orientierung, fördert die eigenverantwortliche Teilhabe und entlastet gleichzeitig kommunale Regelstrukturen. Das Ministerium bekräftigte seine Absicht, die bewährte Partnerschaft mit den Beratungsstellen der freien Träger der Wohlfahrtspflege NRW und den Kooperationspartnern fortzuführen.

Die Perspektive der Fachstellen: Unabhängige Beratung unter wachsendem Druck

Die Fachstellen und Träger machten ihrerseits deutlich, dass die Beratungspraxis vor Ort durch beschleunigte Rechtsänderungen, steigende Bürokratie und nicht ausreichende Finanzierung unter starkem Druck steht. Nach dem Impulsvortrag von Rechtsanwalt Jens Dieckmann zu aktuellen rechtlichen Neuerungen warnte Claus-Ulrich Prölß (Geschäftsführer des Kölner Flüchtlingsrat e. V.) auf dem Podium davor, dass pauschale Verschärfungen im Aufenthalts- und Asylrecht wertvolle Integrationserfolge gefährden. Die Fachstellen forderten eine langfristig gesicherte, dynamisierte Förderung der Regionalen Beratung sowie den Erhalt praxistauglicher Bleiberechts- und Spurwechseloptionen. Unabhängige Beratungsangebote seien kein Luxusgut, sondern eine essenzielle Voraussetzung für rechtsstaatliche Verfahren.

Konstruktiver Austausch in Podium und Workshops

Auf dem Podium diskutierten Frau Tanja Grümer (MKJFGFI) gemeinsam mit Claus-Ulrich Prölß (KFR e.V.) und Jens Dieckmann (Projekt Q, GGUA e. V.), Hannes Schmedt (MKJFGFI) und Rana Martin Bhattatcharjee (Ausländerbehörde Düsseldorf) über das Spannungsfeld „Zwischen Abschiebung und Bleiberecht“. In vier von den regionalen Fachstellen moderierten Workshops vertieften die Teilnehmenden drängende Praxisfragen:

• GEAS und Familienasyl: Auswirkungen der EU-Asylreform und verfahrensrechtliche Anforderungen an die schriftliche Antragstellung mit Kirsten Eichler (Projekt Q, GGUA e. V.)

• Bleiberecht und Spurwechsel: Wege und Handlungsoptionen bei Widerrufsverfahren mit Claudius Voigt und Verena Wörmann (Projekt Q, GGUA e. V.)

• Arbeitsmarkt und Qualifizierung: Schnittstellen zwischen Beratung, Integrationskursen und Wirtschaft mit Vera Moser (IHK Siegen) und Jasna Reso-Flanze (IHK Köln), Kai von Lengerke (NUiF), Linh Lan Nguyen (VHS Siegen)

• Antidiskriminierung: Strategien zum Schutz vor Rassismus und Diskriminierung im Beratungsalltag mit Selma Güngör (InterKompetenz Berlin)

Gemeinsames Fazit

Mit ihren unterschiedlichen inhaltlichen Perspektiven bereicherten Ministerium und Fachstellen den Fachtag – und zogen gemeinsam ein durchweg positives Fazit. Der enge Schulterschluss zwischen Ministerium, regionalen Anlaufstellen, Ausländerbehörden und Bildungsträgern bleibt unverzichtbar, um Geflüchteten zu ihren Rechten zu verhelfen Integration tragfähig zu gestalten.

Die Kernaussagen der Partner im Überblick:

• Ministerium (MKJFGFI NRW): Die Regionale Beratung ist ein verlässlicher Pfeiler der NRW-Integrationspolitik, der Menschen verlässlich Orientierung gibt und Teilhabe ermöglicht.

• Veranstalter / Fachstellen: Die unabhängige Beratung sichert rechtsstaatliche Verfahren und benötigt nachhaltige Ressourcen sowie funktionierende Bleiberechtswege.

• Gemeinsames Ziel: Stärkung der Kooperation von Zivilgesellschaft, Kommunen, IHKs, Unternehmen und Ausländerbehörden für geordnete und zukunftsorientierte Teilhabe.