4. Juni 2026
30 Jahre Elfriede-Eilers-Zentrum – Das organisatorische Herz der AWO OWL
An der Detmolder Straße 280 in Bielefeld schlägt seit 30 Jahren das organisatorische Herz des AWO Bezirksverbandes Ostwestfalen‑Lippe: das Elfriede‑Eilers‑Zentrum (EEZ). Was heute ein lebendiger Ort und Zentrum eines Spitzenverbands der Freien Wohlfahrtspflege in der Region ist, begann Mitte der 1990er‑Jahre mit einer Vision und viel Veränderungswillen.
Die ursprünglich als Kasernen genutzten Gebäude an der Detmolder Straße gingen nach dem Abzug der britischen Streitkräfte zunächst an die Stadt Bielefeld zurück. 1995 erwarb die AWO OWL zunächst Haus A, ein Jahr später folgten die Häuser B und C. Die Verantwortung lag damals bei Geschäftsführer Wolfgang Stadler und seinem Stellvertreter Klaus Dannhaus.
Mit dem Umzug 1996 von der damaligen beengten Geschäftsstelle in der Marktstraße an die Detmolder Straße begann eine neue Ära. Unter einem Dach vereinte das EEZ von Anfang an zahlreiche Angebote: die Geschäftsstelle, diverse Beratungsstellen, eine integrative Kita, eine heilpädagogisch‑therapeutische Tagesgruppe, das Jugendwerk, die Tagesklinik Ost der v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel und den Betriebsrat. Das Zentrum wuchs stetig – räumlich wie inhaltlich.
Ein wichtiger Meilenstein folgte 2007/2008 mit einem Anbau: Die Kita wurde erweitert und neue Büroräume wurden geschaffen. Auch darüber hinaus blieb das Gelände im Wandel – etwa durch zusätzlich erworbene Räumlichkeiten im Haus D oder den Bau eines Mitarbeiterparkplatzes an der Stelle, wo sich zu Kasernenzeiten noch ein Schwimmbecken befand.
Der Arbeitsalltag hat sich in drei Jahrzehnten stark verändert: von Papierakten, Disketten und kaum vorhandenen E‑Mail‑Zugängen hin zu einer modernen, digital vernetzten Organisation. Und doch gibt es Konstanten – etwa den zentralen Empfang, der bis heute an seinem ursprünglichen Platz geblieben ist.
Seinen Namen trägt das Zentrum zu Ehren von Elfriede Eilers, einer bedeutenden Sozialpolitikerin aus Bielefeld und prägenden Persönlichkeit der Arbeiterwohlfahrt. Seit 1950 Mitglied der Arbeiterwohlfahrt, war sie von 1972 bis 1990 stellvertretende Bundesvorsitzende sowie ab 2000 Ehrenvorsitzende des AWO Bezirksverbandes OWL. Als Abgeordnete im Bundestag setzte sie sich engagiert und mit starker Stimme insbesondere für Frauenrechte sowie für Themen wie Familie, Jugend, Gesundheit, Arbeit und Soziales ein. Ihr berühmter Ausspruch „Klagt nicht, organisiert euch“ ist auch heute noch Leitlinie nicht nur im Hinblick auf echte Gleichstellung, sondern auch für die AWO als Mitgliederverband. Ihr Todestag jährt sich am 4. Juni dieses Jahres zum zehnten Mal – ein Anlass, ihr Wirken besonders zu würdigen.
Bis heute erinnert auch die Skulptur „Die Wartende“ auf dem Gelände an sie, ein Geschenk zum 85. Geburtstag und aufgestellt zum zehnjährigen Bestehen des EEZ durch Wilhelm Schmidt, damals Vorsitzender des AWO Bundesverbandes, und Norbert Wellmann, damals ehrenamtlicher Vorsitzender des AWO Bezirksverbandes.
Über die Jahre haben zahlreiche Veranstaltungen, Besuche von namhaften Persönlichkeiten aus Politik und Zeitgeschehen sowie Familienfeste das Zentrum stark geprägt. Heute ist das EEZ weit mehr als ein Gebäudeensemble: Es ist ein Ort der Begegnung, der Organisation und des gesellschaftlichen Engagements – kurz gesagt, das organisatorische Herz der AWO OWL.
Wolfgang Stadler, zwischen 1993 und 2009 Geschäftsführer bzw. Vorstandsvorsitzender der AWO OWL, erinnert sich zum 30-jährigen Bestehen des Elfriede-Eilers-Zentrums an prägende Momente der Gründung und ordnet die Entwicklung des EEZ aus seiner Sicht ein: „Vor 30 Jahren hat eine Mischung aus Kreativität, Vision, Leidenschaft, einem guten Team und hoher Fachlichkeit dazu geführt, dass ein einmaliges, soziales Kompetenzzentrum entstand. Synergien wurden genutzt und Bündnisse geschmiedet. Wissenschaft, Politik, Medien und Landesregierung nahmen eine kompetente AWO wahr und wir konnten die Voraussetzung schaffen, dass die AWO in dieser Zeit aufblühte und stark wurde. Ich wünsche der AWO in Ostwestfalen-Lippe, dass sie wieder die Kraft gewinnt, ähnliche Projekte zu stemmen und einen herausragenden Platz in der sozialen Landschaft einnimmt.“
Klaus Dannhaus, stellvertretender Geschäftsführer bzw. Vorstandsvorsitzender der AWO OWL von 1993 bis 2019, ergänzt: „Es war sicherlich eine Herausforderung für die AWO, vor 30 Jahren ein so großes Projekt wie den Erwerb der Immobilie zu stemmen. Gleichzeitig war aber auch klar, dass der Erwerb neue Möglichkeiten eröffnete, an diesem Standort Dienste und Einrichtungen der AWO zu bündeln, um Synergien zu nutzen und neue Projekte gezielt anzugehen. Im Rückblick kann man sagen, dass die Entscheidung richtig und wichtig war, da sie die AWO in OWL handlungsfähiger und stärker gemacht hat. Das EEZ ist heute ein unverzichtbarer Teil des sozialen Lebens und der sozialen Arbeit in Bielefeld.“