AWO OWL

Kinder allein zu erziehen, ist das größte Armutsrisiko für Frauen

Foto: AWO-Bundesverband

In Deutschland gibt es über 1,6 Millionen Alleinerziehende, davon rund 1,5 Millionen Frauen. Mehr als 40 Prozent dieser Frauen sind überdurchschnittlich lange auf Sozialleistungen angewiesen. Viele von ihnen sind arm. Für die AWO OWL ist dies ein sozialer Missstand. Zum Internationalen Frauentag (8.März) fordert sie Politik und Arbeitgeber auf, schnell zu handeln.

„Die Leistung der alleinerziehenden Frauen“, so Inge Howe, Präsidiumsmitglied der AWO OWL, „wird gesellschaftlich nicht ausreichend anerkannt. Das sie überdurchschnittlich von Armut betroffen sind, ist ein Skandal.“

Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit, mehr Vollzeitjobs für Frauen und das Rückkehrrecht auf Vollzeit fordert die AWO unter anderem zur Verbesserung der Situation. Berufe, in denen überwiegend Frauen tätig sind, müssen gesellschaftlich und finanziell bessergestellt werden.

Thorsten Klute vom AWO-Vorstand: „Es mangelt leider auch immer noch an ausreichenden Betreuungsmöglichkeiten für Kinder. Schlechtbezahlte Teilzeitjobs oder die Aufgabe der Berufstätigkeit sind für viele alleinerziehende Mütter häufig die einzigen Alternativen.“

Ein weiteres Problem aus Sicht der AWO ist die berufliche Qualifikation. Fast jede zweite Alleinerziehende im Sozialleistungsbezug hat ihre Ausbildung nicht abgeschlossen, weil sie ihr erstes Kind bekam. „Diese Frauen haben kaum eine Chance, auskömmliche Arbeit zu finden, die ihre Existenz sichert. Sie bleiben dauerhaft auf ergänzende staatliche Leistungen angewiesen“, stellt Inge Howe fest. „Das muss sich ändern. Die AWO fordert mehr Teilzeitausbildung und mehr Ausbildungen mit Kleinkind sowie insgesamt eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“

„Mini-Jobs und Ehegattensplitting dürfen nicht zur Armutsfalle für Frauen werden“, unterstreicht auch Thorsten Klute. Im Gegenteil, um Alleinerziehende zu stärken, muss der steuerliche Entlastungsbetrag nach Ansicht der AWO für sie deutlich erhöht werden. Komplizierte Bildungs- und Teilhabeleistungen mit hohem bürokratischem Aufwand sind keine Alternative.