AWO OWL

Bezirkskonferenz 2021: AWO will OWL gemeinsam stärker machen

Eine besondere Auszeichnung für Klaus Dannhaus: Er wurde mit der Marie Juchacz-Medaille geehrt. Wolf-Eberhard Becker, Thomas Euler, Thorsten Klute und Angela Lück gratulierten.

Bezirkskonferenz der AWO OWL stellt Weichen für neue Kooperationen in der Region: „OWL gemeinsam stärker machen!“ lautete das Motto der Bezirkskonferenz der AWO Ostwestfalen-Lippe e.V. am Samstag, dem 23.10.2021. 68 Delegierte aus den sieben Kreisverbänden berieten und entschieden im Paderborner Schützenhof über Anträge. Vorstand und Präsidium berichteten zur Entwicklung des Verbandes in den letzten vier Jahren. Einen Höhepunkt der Veranstaltung bildete die Ehrung des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Klaus Dannhaus.

Gastredner Herbert Weber, Geschäftsführer der Ostwestfalen-Lippe GmbH, sprach unter dem Titel „OWL gemeinsam stärker machen“ über die Notwendigkeit von Vernetzung und Zusammenarbeit auch im ehrenamtlichen Bereich. „Es braucht mehr miteinander“, sagte Weber und traf damit den Kern der Herausforderungen, vor denen auch die AWO steht.
Die AWO sei eigentlich eine geborene Mitgestalterin der Region, mit besonderem sozialen Know how. Regierungspräsidentin Judith Pirscher und Paderborns Bürgermeister Michael Dreier teilten in ihren Grußworten den Vernetzungsgedanken und lobten auch die bisher bestehende Zusammenarbeit, etwa am runden Tisch Armut in Paderborn. „Freiwilliges und ehrenamtliches Engagement sind der Kitt unserer Gesellschaft. Vieles würde nicht funktionieren, wenn sich nicht so viele Menschen in unterschiedlichsten Tätigkeitsfeldern engagieren würden“, sagte Pirscher. Gesagt, getan: Bereits seit dem 18. Oktober ist sie, wie auch Herbert Weber, Vorstandsmitglied im Förderverein der AWO Freiwilligenakademie OWL, in der sich rund 2.300 Menschen unter dem Dach der AWO OWL freiwillig sozial engagieren.

Fachkräftegewinnung größte Aufgabe der Sozialwirtschaft
Vorstandsvorsitzender Thorsten Klute maß in seinem Vorstandsbericht der Gewinnung von Fachkräften für die gesamte Sozialwirtschaft die größte Bedeutung in den nächsten Jahren zu. Die AWO OWL ist ein tarifgebundener Betrieb und ist im Berichtszeitraum 2016 bis 2020 von etwa 4.000 auf 4.300 Beschäftigte gewachsen. Knapp 60 Prozent der Beschäftigten arbeiten in Kitas, fast ein Viertel in der Pflege. Weitere Tätigkeitsfelder sind die Jugendhilfe, der Ganztag in Schulen, die Arbeit mit Menschen mit Behinderung, die Beratung und Kuren sowie Familienerholung.
Am Beispiel der Arbeit in den Kitas stellte Thorsten Klute klar: „Vor 20 Jahren stand im Vordergrund, Rechtsansprüche auf einen Kita-Platz auch für die Kleinsten zu schaffen und Öffnungszeiten zu erweitern. Da sind wir auch gut vorangekommen. In den nächsten Jahren wird es darum gehen, genügend Menschen zu haben, die sich auf hohem Niveau der Arbeit mit unseren Kindern widmen können.“  Die AWO OWL geht dabei mit ihren Berufskollegs neue Wege und bietet niedrigeschwelligere Zugänge zur Ausbildung für die pädagogische Arbeit mit Kindern an. „Wir machen damit ein Angebot auch für das gesamte Land NRW.“ Er kündigte an, sich diesem Thema für die gesamte Sozialwirtschaft widmen zu wollen, sollte er im kommenden Jahr in den Landtag gewählt werden.

Vorstandsmitglied und Präsidiumsvorsitzende stellen sich vor
Da der Vorstandsvorsitzende Klute sich um ein Mandat bei den Landtagswahlen im kommenden Jahr in NRW bewirbt, stellt die AWO OWL dafür schon jetzt frühzeitig die Weichen. Thomas Euler wird bereits zum Jahreswechsel den Vorstandsvorsitz von Thorsten Klute übernehmen. Thomas Euler, 48 Jahre, Rechtsanwalt und Mediator und bereits seit 2007 beim AWO-Bezirksverband tätig, wurde dazu bereits zum ersten August dieses Jahres in den Vorstand der AWO OWL berufen. Er stellte sich den Delegierten vor und formulierte dabei klare Ziele für seine neue Aufgabe: Das ehrenamtliche Engagement und die soziale Arbeit in den Quartieren zu stärken, die wirtschaftliche Unabhängigkeit des Bezirksverbandes zu sichern und die Stärken der AWO zu bündeln, um mit starken Partnern gesellschaftliche Entwicklungen voranzutreiben. „Die Werte der AWO – Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Toleranz – da bin ich mir sicher, sind heute noch genauso aktuell und bedeutend wie vor 100 Jahren“, so Euler.

Auch Angela Lück, seit März Vorsitzende des Präsidiums des Bezirksverbandes, nutzte die Gelegenheit, sich den Delegierten persönlich vorzustellen, denn das neue Präsidium war während der Pandemie per Briefwahl gewählt worden, statt wie üblich auf einer Bezirkskonferenz. Auch sie blickte dabei in die Zukunft, in der wichtige Themen zu bearbeiten seien, wie die Digitalisierung in der sozialen Arbeit, der Klimawandel und die Vernetzung von Menschen in ihren Quartieren, um einer wachsenden Einsamkeit, gerade im Alter, zu begegnen. „Die AWO lebt von einer vitalen Basis, sie lebt von euch“, wandte sie sich an die Delegierten. „Wir müssen etwas dafür tun, dass unsere Basis weiter gut und engagiert bleibt und wir wichtige gesellschaftliche Impulse setzen können.“

Herausforderung Mitgliederentwicklung
Damit sprach die Präsidiumsvorsitzende eine der zentralen Herausforderungen für den Verband an, denn die Mitgliederzahlen sinken und der Altersdurchschnitt steigt. Daran will die AWO arbeiten und mehr Menschen jeden Alters für ein soziales Engagement gewinnen. Dies fordert auch das Jugendwerk der AWO OWL, eine eigenständige Jugendorganisation, deren Vorstandsmitglieder Zoé Hoffmann und Jan Repnak ebenfalls zu den Anwesenden sprachen. „Die Konferenz zeigt, dass die AWO mehr ist als ein Sozialunternehmen, sie ist voller Tradition und Engagement“, sagte Hoffmann. Es sei die Zeit, sich zu bewegen, um Faschisten in Parlamenten, wachsender Armut und der Bedrohung durch den Klimawandel zu begegnen. Daher sei die Verjüngung des Verbandes wichtig, ergänzt Repnak. Lob gab es dafür, dass etwa durch gemeinsame Projekte schon Einiges angestoßen sei.

Neue Bielefelder Akademie für Pflegeberufe
Die Delegierten stimmten im Laufe der Konferenz einstimmig für die Errichtung einer neuen Bielefelder Akademie für Pflegeberufe, kurz BiAP. Das ehemalige Fachseminar für Altenpflege wird in eine gemeinsam mit dem Klinikum Bielefeld getragene gGmbH überführt. Damit wird sie den neuen Anforderungen an die Reform der Pflegeberufeausbildung gerecht. Diese sieht nun eine generalistische Ausbildung für alle Pflegeberufe vor, also für Kranken- und Altenpflege gemeinsam. „Mit der neuen Akademie wollen wir dafür Sorge tragen, dass wir auch in Zukunft ausreichend Personal für die Pflege von Menschen in unseren Seniorenzentren gewinnen können“, gab Vorstandsmitglied Thomas Euler die Richtung vor. Bisherige Ausbildungskapazitäten werden in der neuen und modernen Pflegeschule zusammen mit dem Klinikum Bielefeld ausgebaut, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Mehr Vernetzung und Weiterentwicklung von Angeboten
Weitere richtungsweisende Anträge standen auf der Tagesordnung. Die Delegierten stimmten dem gemeinsam von Jugendwerk und Präsidium eingebrachten Leitantrag zu, dem Lebenswerk der vielen engagierten Menschen eine Zukunft zu geben, neue Mitglieder zu gewinnen und vielfältigere Möglichkeiten für ein persönliches Engagement von Menschen jeden Alters zu schaffen. Dreizehn weitere Anträge wurden im Rahmen der Konferenz einstimmig beschlossen. Die AWO möchte unter anderem für eine Öffnung von Integrationskursen für mehr Menschen werben, den Ausbau der offenen Ganztagsschule im Primarbereich vorantreiben, das Jugendwerk stärken, den Klimawandel bekämpfen sowie das Wohnheim Spatzenberg nach dem 2019 verstorbenen langjährigen Präsidiums- und Aufsichtsratsvorsitzenden Norbert Wellmann benennen.

Besondere Ehrung für Klaus Dannhaus
Eine besondere Ehrung erhielt der langjährige Vorstandsvorsitzende Klaus Dannhaus, der zum Jahresende 2019 in den Ruhestand gegangen war. Die Ehrung nahmen Angela Lück und ihr stellvertretender Präsidiumsvorsitzender und langjähriger Weggefährte von Klaus Dannhaus, Wolf-Eberhard Becker, vor. In seiner Laudatio beschrieb Becker, wie Klaus Dannhaus 1978 als Zivildienstleistender zur AWO kam und in seiner weiteren 40jährigen Tätigkeit für die AWO schließlich zum Vorstandsvorsitzenden aufstieg. Trotz der zahlreichen Verdienste um die AWO zeigte sich Klaus Dannhaus von der Ehrung mit der nach der Begründerin der Arbeiterwohlfahrt benannten Marie Juchacz-Medaille überrascht. „Da stehe ich jetzt als ehemaliger Hauptamtlicher vor Ihnen allen als ehrenamtlich Engagierte. Ich habe es immer als meine Pflicht angesehen, das Bestmögliche für die AWO zu geben“, sagte Dannhaus in seinen spontanen Dankesworten. Er habe nicht damit gerechnet, freue sich aber sehr über diese Ehre. Auch den ausgeschiedenen Präsidiumsmitgliedern Annette Becker, Toni Fritz, Siegfried Gehrke, Wolfgang Stadler und Karen Tank wurde für ihr ehrenamtliches Engagement besonderer Dank ausgesprochen.“