AWO OWL

AWO-Kita weit vorn bei Umsetzung von Kinderrechten

AWO-Vorstandsvorsitzender Thorsten Klute mit Thomas Oppermann MdB und Werthers Bügermeisterin Marion Weike

v.l.: Thorsten Klute (Vorstandsvorsitzender der AWO OWL), Ramona Schäffer (stv. Leiterin AWO-Kita „Am Speckfeld“), Thomas Oppermann MdB, Wolf-Eberhard Becker (stv. Vorsitzender Aufsichtsrat und Präsidium AWO OWL), Andrea Hohnhorst (Leiterin AWO-Kita „Am Speckfeld“), Werthers Bürgermeisterin Marion Weike, Sabine Schubert (stv. Leitung Abt. Tageseinrichtungen für Kinder), Beate Winkler (Fachberaterin Kinderrechte und Kindeswohl) und Angela Lück MdL (Präsidium und Aufsichtsrat AWO OWL)

Thomas Oppermann MdB mit Bürgermeisterin Marion Weike beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Werther

Besonderen Besuch bekam die AWO-Kita „Am Speckfeld“ in Werther am Dienstagnachmittag: Thomas Oppermann, Vizepräsident des Deutschen Bundestags, nahm dort an einer konstruktiven Gesprächsrunde zum Thema Kinderrechte teil.

Begrüßt wurde er von Werthers Bürgermeisterin Marion Weike, die zum Einstieg die gute Zusammenarbeit hervorhob: „Durch kurze Wege in unserer Stadt gelingt uns die Kommunikation zwischen der Kommune und den Einrichtungen sehr gut. Die Arbeit der Kitas ist für uns von großer Bedeutung.“ Für den AWO-Bezirksverband OWL empfingen Thomas Oppermann die ehrenamtlichen Präsidiums- und Aufsichtsratsmitglieder Angela Lück und Wolf-Eberhard Becker, der Vorstandsvorsitzende Thorsten Klute, Kita-Leiterin Andrea Hohnhorst sowie weitere Mitarbeitende der AWO OWL. Nach einer Besichtigung der Kita-Räumlichkeiten mit Abstand und Maske ging es in einer Gesprächsrunde bei bestem Wetter auf dem Außengelände der exemplarisch ausgewählten AWO-Kita um das Thema des Tages: Kinderrechte. Oppermanns Fazit nach einem ausführlichen Fachgespräch fiel sehr positiv aus, denn er sieht die AWO OWL in Bezug auf ihre Konzeption zur Umsetzung von Kinderrechten im Kita-Alltag in einer Vorreiterrolle. „Es ist wichtig, dass man Kinder ernst nimmt und ihnen auf Augenhöhe begegnet. Sie werden nicht als Demokratinnen und Demokraten geboren“, erläutert er seine Grundhaltung, „Ich habe den Eindruck, dass die Menschen hier einen Beitrag leisten, der seiner Zeit voraus ist.“

Oppermanns Engagement für Kinderrechte

In seiner Rolle als Bundestagsabgeordneter setzt Thomas Oppermann sich seit Jahren für die explizite Aufnahme der Rechte von Kindern ins Grundgesetz ein, damit die Grundprinzipien der seit 1989 existierenden UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland auch verfassungsrechtlich aufgenommen werden. Seit 2018 ist er auch Schirmherr der National Coalition Deutschland, eines Netzwerks zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention.

Der Koalitionsvertrag der aktuellen Regierungsparteien sieht die Festschreibung von Kinderrechten im Grundgesetz nun vor. Dafür erarbeiteten die Mitglieder einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe im vergangenen Jahr einen Formulierungsvorschlag, über den bislang noch nicht abgestimmt worden ist.

Kinderrechte ab dem ersten Kita-Tag leben

Die Würdigung ihrer Arbeit von politischer Seite freute die anwesenden pädagogischen Fachkräfte sehr. In der pädagogischen Konzeption der Kindertagesstätten der AWO OWL bilden die von den UN verfassten Schutz-, Förder- und Beteiligungsrechte seit Jahren einen Schwerpunkt. Die Kinderrechte sollen im Kita-Alltag konsequent gewahrt und umgesetzt werden. „Wir haben daher im Bezirksverband eine eigene Stelle geschaffen, um dem wichtigen Thema Kinderrechte Rechnung zu tragen“, erzählt Sabine Schubert, stellvertretende Leiterin der Kitaabteilung. Laut Beate Winkler, die als Fachberaterin der Kitaabteilung mit den Schwerpunkten Kinderrechte und Kindeswohl an der Gesprächsrunde teilnahm, hat das Gesamtkonzept des Bezirksverbandes eine speziell geschulte Fachkraft für Kinderrechte in jeder AWO-Kita zum Ziel. Für den ersten Ausbildungsgang meldeten sich bereits 72 Kitas an.

Was es zur Umsetzung der Kinderrechte im Kita-Alltag braucht? „Zunächst braucht es Erwachsene, die die Kinder über ihre Rechte informieren und sie ermutigen, diese auch einzufordern“, sagt Beate Winkler. Es bedürfe einer offenen Haltung der Erzieherinnen und Erzieher, einen Umgang auf Augenhöhe und die Fähigkeit, nicht nur Worte, sondern auch Gesten der Kinder zu erkennen. Das fange am ersten Kita-Tag der Kinder an. Wichtig sei es natürlich auch, die Eltern zu informieren und beim pädagogischen Auftrag der Kita mitzunehmen.

Kinderparlament tagt mindestens einmal im Monat

Die AWO-Kita „Am Speckfeld“ hat zum Zweck der festen Verankerung der Kinderrechte zum Beispiel ein Kinderparlament etabliert. Daran partizipieren können die drei- bis sechsjährigen Kinder, die halbjährlich Delegierte wählen. Die Regeln der Sitzungen werden von den Kindern selbst diskutiert. Die Themen können sich dabei von der Wahl des Essens über die Anschaffung neuer Spielgeräte bis zur Gestaltung von Ausflügen erstrecken. Die Umsetzung der Kinderrechte finde selbstverständlich nicht nur im Parlament statt, sondern jeden Tag. Dafür werden einige Beispiele genannt. Eine Gruppe hätte sich etwa an einem kalten Wintertag dazu entschlossen, mit nackten Füßen draußen im Schnee zu spielen. Nach kurzer Beratung stellten die beteiligten Erzieher*innen eine große Wanne mit Schnee im Gruppenraum auf. „So konnten die Kinder das Gefühl an Füßen und Beinen testen und kamen dann recht schnell zu dem Schluss, dass das ganz schön kalt sei und sie wohl doch lieber Socken und Schuhe wieder anziehen würden, um draußen zu spielen“, erzählt Beate Winkler mit einem Lächeln.

Frühkindliche Bildung als wichtiger gesellschaftlicher Baustein

Thomas Oppermann, der sich nach der Gesprächsrunde noch ins Goldene Buch der Stadt Werther eintrug, sieht gesellschaftlich insgesamt noch viel Potenzial zur Anwendung von Forschungsergebnissen aus der frühkindlichen Bildung, denn der pädagogische Umgang mit den Jüngsten habe wichtige Einflüsse auf die Zukunft und auch auf das Glück eines Menschen. „Es ist also sehr wichtig, dass Kinder als eigenständige Persönlichkeiten in den Fokus gerückt werden.“ Dieser Meinung ist auch Thorsten Klute, der klarstellt: „Das Themenfeld ist für uns elementar wichtig und wir möchten hier Motor der Weiterentwicklung im Land sein. Wir hoffen daher mit Konzeptionen wie der zum Thema Kinderrechte auch als Vorbild für andere zu dienen.“